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Der Energieverbrauch öffentlicher Verkehrsmittel

Oberleitungen bei Sonnenuntergang

Wenn Sie ein Auto besitzen, berechnen Sie vielleicht regelmäßig den durchschnittlichen Spritverbrauch. Doch was verbrauchen Sie als Fahrgast eigentlich in Bussen und Bahnen? Anhaltspunkte dazu finden Sie im folgenden Beitrag.

Die Verbrauchswerte für Fern- und Nahverkehr

Alle Werte in diesem Abschnitt bedeuten "Liter Benzin ab Zapfsäule" pro Fahrgast, bei durchschnittlicher Auslastung des Verkehrsmittels.

Ganz wichtig: lesen Sie zur Interpretation der Daten die Erläuterungen weiter unten...!

Fernverkehr (ÖPFV)

Gemittelt über alle Zuggattungen (ICE, EC, IC) und Geschwindigkeiten: 2,2 Liter / 100 km

ICE bis 200 km/h: 2,0 Liter / 100 km
ICE über 200 km/h: 2,6 Liter / 100 km
EC/IC: 1,9 Liter / 100 km

Nahverkehr (ÖPNV)

DB-Regionalverkehr (RE, RB, S-Bahn) gemittelt: 4,0 Liter / 100 km
Städtischer Nahverkehr (U-Bahn, Straßenbahn, Bus) gemittelt: 2,6 Liter / 100 km

RegionalExpress (RE): 4,4 Liter / 100 km
RegionalBahn (RB): 5,1 Liter / 100 km
S-Bahn: 3,7 Liter / 100 km

Bus: 2,7 Liter / 100 km
U-Bahn, Straßenbahn: 1,7 Liter / 100 km

Erläuterungen zu den Zahlen

Die oben genannten Werte sind Durchschnittswerte über die gesamte Verkehrsleistung, das bedeutet: morgens in einer vollen Pendler-S-Bahn kann der Verbrauch pro Fahrgast problemlos auf unter 1 Liter / 100 km sinken - des Nachts in einer fast leeren S-Bahn kann er durchaus auf mehr als 10 Liter / 100 km ansteigen.

Es handelt sich bei den Angaben um den Verbrauch "ab Zapfsäule". Der üblicherweise in der Literatur genannte Primärenergieverbrauch, der auch Verluste bei Herstellung und Verteilung mit berücksichtigt, liegt bei Mineralöl (Diesel/Benzin) um etwa 25 % höher als die oben genannten Verbräuche.
Anders gesagt: Wenn Sie (oder das Verkehrsunternehmen) an der Zapfsäule 100 Liter in den Tank füllen, müssten Sie für den Primärenergieverbrauch noch 25 Liter hinzurechnen, die als Energieaufwand für die Förderung des Rohöls, Veredelung in der Raffinerie und den Transport zum Verbraucher nötig waren.
Hier wird bewusst der Verbrauch ab Zapfsäule genannt, weil Sie dadurch direkt mit Ihrem PKW vergleichen können. Vermutlich berücksichtigen Sie bei Ihrem Besuch an der Tankstelle nicht, dass mehr Erdöl gefördert werden muss, als Sie dort Kraftstoff abnehmen...

Bei elektrischen Triebfahrzeugen (ICE-Züge, E-Loks, U- und Straßenbahnen) wurde die notwendige Energiemenge in das sogenannte "Benzinäquivalent" umgerechnet, also wieviel Benzin man zur Stromherstellung in einem Kraftwerk verbrennen müsste - auch, wenn man tatsächlich keinen "Sprit", sondern Kohle, Wasser- oder Kernkraft einsetzt.
Dabei fällt auf, dass der Verbrauch des elektrisch angetriebenen Fahrzeugs selbst (gemessen am Stromabnehmer) gering ist; etwa zwei Drittel der eingesetzten Primärenergie wird durch die Umwandlung in elektrischen Strom und die anschließende Verteilung im Leitungsnetz "verheizt".
Allerdings sind Elektromotoren sehr effizient, wohingegen Verbrennungsmotoren einen schlechten Wirkungsgrad haben. Bei einem herkömmlichen Ottomotor werden nicht einmal 25 % der eingesetzten Energie in Bewegungsenergie umgesetzt, bei einem fortschrittlichen Dieselmotor maximal 30 %. Dies macht die zentrale Umwandlung der verschiedenen Energieträger in elektrischen Strom im Kraftwerk attraktiv, zumal die Abgasbehandlung hierbei nur einmal an zentraler Stelle durchgeführt werden muss.

Auslastung der Verkehrsmittel

Alle Verbrauchsangaben beziehen sich auf die durchschnittliche Auslastung der Verkehrsmittel. Die konkreten Werte, bezogen auf die Anzahl der Sitzplätze, sind:

ICE: 48%
IC/EC: 39%
RE/RB: 20%
S-Bahn 28%
U-Bahn/Straßenbahn/Bus: 21% (hier bezogen auf Sitz- und Stehplätze)

Ein InterCity verbraucht pro Kilometer etwa 15% weniger Energie als ein ICE. Da jedoch die Platzauslastung im IC lediglich 39% statt 48% wie im ICE beträgt, reduziert sich die Energieeinsparung pro Passagier um nur 5% von 2,0 auf 1,9 Liter/100 km.

Schlussfolgerungen

Eines ist sicher: in einem öffentlichen Verkehrsmittel verbrauchen Sie weniger Energie als im eigenen Auto - selbst, wenn Sie berücksichtigen, dass die zurückgelegte Strecke zum Ziel im öffentlichen Verkehr im Schnitt etwa 20 % länger ist als die PKW-Route.

Je nach Verbrauch des Autos und Anzahl Ihrer Mitfahrer kann sich das Verhältnis zu Gunsten des Autos verschieben. Das gilt jedoch nur für den Energieverbrauch.
Die Menge der ausgestossenen Schadstoffe ist, bezogen auf die zurückgelegten Personenkilometer, in öffentlichen Verkehrsmitteln generell wesentlich geringer als beim PKW.
Pauschal gesagt: mit einem Kleinwagen können schon drei Personen energetisch günstiger unterwegs sein als bei einer Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Um auch bei der Schadstoffbelastung für die Umwelt gleichzuziehen, müssten Sie in der Regel das Auto mit 5 Menschen voll besetzen!

Zugunsten des öffentlichen Verkehrs spricht ebenso, dass Bus und Bahn "sowieso" unterwegs sind. Das bedeutet: wenn Sie sich bei einer Reise bewusst gegen das Auto und für Bus und Bahn entscheiden, sparen Sie nicht nur nachweislich die Treibstoffmenge ihrer individuellen Fahrt im Auto, sondern reduzieren zudem noch rechnerisch den Verbrauch pro Personenkilometer des benutzten öffentlichen Verkehrsmittels.

Ein Beispiel: Wenn Sie als 51ster Fahrgast in eine Straßenbahn mit 30 Tonnen Leergewicht einsteigen, erhöht sich der Energieverbrauch ungefähr wie die Massenzunahme. Das sind bei 70 kg pro Fahrgast nun 33 570 kg mit Ihnen anstatt 33 500 kg ohne Sie. Also steigt der Energieverbrauch durch Sie um etwa 0,2%. Rein rechnerisch reduziert sich der Verbrauch pro Fahrgast aber um immerhin ca. 2%, da er nun auf 51 statt auf 50 Fahrgäste aufgeteilt wird.

Beispiel: Elektrischer Nahverkehrszug

Betrachtet wird der Energieverbrauch eines elektrisch angetriebenen Nahverkehrszuges aus Lokomotive mit 5 Wagen:

Bei einem 3-Wagen-Zug sind es 4,7 l je 100 km und Fahrgast Energieverbrauch Benzinäuqivalent ab Zapfsäule.

Beim 5-Wagen-Zug werden 1800 kWh/100 km am Stromabnehmer verbraucht, also 18 kWh/km. Bei ca. 7 Cent Stromkosten pro Kilowattstunde wären das 1,26 Euro pro Kilometer. Bei Nahverkehrszügen bekommt die DB etwa 7,50 Euro "Bestellerentgelt" pro gefahrenen Kilometer, so dass der Anteil der Stromkosten ca. 17 % beträgt.

Beispiel: Fahrzeuge mit Dieselantrieb

Für Straßen- und Schienenfahrzeuge gelten in etwa folgende Diesel-Verbrauchswerte:

Reisebus / Überlandbus: 35 l / 100 km
Linienbus (zweiachsig): 40 l / 100 km
Gelenkbus (dreiachsig): 55 l / 100 km

DB Baureihe 612 Link in einem neuen Browserfenster öffnen: 80 bis 140 l / 100 km
DB Baureihe 628.2 Link in einem neuen Browserfenster öffnen: 60 bis 80 l / 100 km
DB Baureihe 218 Link in einem neuen Browserfenster öffnen mit 3-Wagen-Zug: um 250 l / 100 km

Auch hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich ein direkter Vergleich verbietet, da die im nächsten Abschnitt genannten Einflussfaktoren den Verbrauch beeinflussen.

Einflussfaktoren

Alle hier genannten Verbrauchswerte sind nur als Richtgrößen zu verstehen, die die Größenordnung der Verbräuche illustrieren sollen. Die Nachkommastelle suggeriert zwar Genauigkeit, doch die Zahlen resultieren aus einer großen Grundgesamtheit an Daten. Es gibt eine Vielzahl von weiteren Einflussfaktoren - neben der konkreten Zahl von Fahrgästen im Fahrzeug:

Das Alter des Fahrzeugs und somit die Modernität der Motoren, das Höhenprofil der Strecke (flach oder bergig), ob es sich um ein Triebfahrzeug oder einen Lokbespannten Zug handelt (die S-Bahn-Züge mit Lokomotiven im Rhein-Ruhr-Gebiet verbrauchen mehr als die Triebzüge in Frankfurt/M, Stuttgart und München, die weniger Masse haben), der Abstand zwischen den Haltestellen und das exakte Geschwindigkeitsprofil (Beschleunigen kostet mehr Energie als konstante Fahrt), ob im Winter die Innenraum-Heizung eingeschaltet ist, und ob bei elektrischen Fahrzeugen eine Energierückspeisung der Bremsenergie ins Stromnetz vorgesehen ist.

Generell gilt: bei Aussagen über den durchschnittlichen Energieverbrauch werden sehr verschiedene Lokomotiv-, Straßenbahn- und Bustypen in jeweils einer Kategorie zusammengefasst. Dies erlaubt nur Richtangaben, ähnlich wie bei Verbrauchsangaben für einzelne PKW-Klassen.

Ihre eigenen Berechnungen

Link zum Umweltmobilcheck in der Ergebnisliste der Fahrplanauskunft

Die DB bietet im Rahmen ihrer erweiterten Fahrplanauskunft Link in einem neuen Browserfenster öffnen einen UmweltMobilCheck an, mit dem Sie für Ihre Wunschstrecke Energieverbrauch und Schadstoffausstoß selbst ermitteln können.

Übrigens stellt sich die DB in schlechtem Licht dar: auf der Ergebnisseite des UmweltMobilCheck steht in fetten Lettern: "+++ Im Fernverkehr verbrauchen Sie im Schnitt nur 2,8 Liter Kraftstoff auf 100 km - bei voller Auslastung sogar nur 1,2 Liter +++".

Diese 2,8 Liter - und auch alle weiteren genannten Verbrauchswerte im UmweltMobilCheck - sind der Primärenergieverbrauch, den aber natürlich kein Autofahrer kennt. Da dieser um etwa 25% höher liegt als der an der Tankstelle bezahlte, wäre die Angabe "2,2 l/100 km" wesentlich einleuchtender.

Falls Sie Ihren Spritverbrauch nicht konkret beobachten: wie hoch der Kraftstoffverbrauch bei modernen PKW sind, erfahren Sie im entsprechenden Leitfaden der Deutschen Automobil Treuhand. Die aktuelle Ausgabe 2007 können Sie hier herunterladen (Dateigröße 3,7 Megabyte):

Leitfaden zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen Link in einem neuen Browserfenster öffnen PDF-Dokument

Der Leitfaden berücksichtigt nur den von den Herstellern ermittelte Benzin- bzw. Dieselverbrauch im Normzyklus Link in einem neuen Browserfenster öffnen, der nicht unter Alltagsbedingungen stattfindet. So wird zum Beispiel auf dem Prüfstand keine Geschwindigkeit über 120 km/h gefahren. Den realistischen Verbrauch eines Fahrzeugs erfahren Sie auf der Website Spritmonitor.de Link in einem neuen Browserfenster öffnen. Hier tragen tausende von Autofahrern ihre protokollierten Verbrauchswerte ein, die Sie nach Modell und Motorleistung abfragen können.

Nützliche Umrechnungen

Falls Sie Werte aus den Quellen selbst umrechnen möchten, sind dies die Relationen dazu:

Masse von 1 l Benzin: 0,74 kg
Energieinhalt von 1 l Benzin: 32 MJ (Mega Joule)
Energieinhalt von 1 kg Benzin: 43,5 MJ
Energieinhalt von 1 kWh (Kilowattstunde) Strom: 3,6 MJ
100 kWh Strom entsprechen 8,28 kg bzw. 11,25 l Benzin
1 l Benzin entspricht 8,9 kWh elektr. Energie
1 kg Benzin entspricht 12 kWh
1 l Dieselkraftstoff hat den Energieinhalt von 1,1 l Benzin

Kohlendioxid-Ausstoß

Die Diskussion um Treibhauseffekt und Klimawandel berücksichtigt vor allem den durch Menschen verursachten CO2-Ausstoß. Alle auf dieser Seite gemachten Angaben zum Benzin-Verbrauch in l/100 km können Sie problemlos in g/km CO2 umrechnen. Bei der Verbrennung von einem Liter Benzin im Ottomotor werden etwa 2,3 Kilogramm Kohlendioxid frei.

Verbraucht ein Fahrzeug 5,6 l/100 km, rechnen Sie: 5,6 x 23, entsprechend 128,8 g/km CO2. [Der Faktor 23 anstelle von 2,3 berücksichtigt sowohl die Umrechnung von Kilogramm in Gramm als auch den unterschiedlichen Bezug auf einen beziehungsweise 100 km.]
Diese 130 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer gelten als umweltpolitisch gerade noch tolerierbar; je geringer dieser Wert ist, desto besser. In allen öffentlichen Verkehrsmitteln werden 130 Gramm pro Kilometer und Fahrgast, teilweise deutlich, unterschritten.

Im Auto können Sie Ihre persönliche CO2-Statistik zumindest durch mehrere Mitfahrer schönen. Ein "Spritschlucker" mit einem Benzinverbrauch von 10 l/100 km und drei Insassen kommt, auf das Fahrzeug bezogen, zwar auf 230 g/km CO2. Pro Fahrgast hingegen sind es akzeptable 80 g/km CO2.

Quellen und weitere Informationen

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